Ist das der große Stilbruch? Oder der Aufbruch in eine komplett neue Ära? Fakt ist: Mit dem Ferrari Luce geht die legendäre PS-Schmiede aus Maranello gänzlich neue Wege. E-Antrieb, vier Türen, fünf Sitze…
Okay, ein Viertürer mit dem springenden Pferd – Stichwort Ferrari Purosangue – ist nicht neu. Aber ein Fünfsitzer? Den gab es in (bzw. aus) Maranello noch nie. Apropos: Der Purosangue hat vier Sitze. So oder so: Der brandneue Ferrari Luce treibt es auf die Spitze. Denn das neueste Maranello-Pferdchen setzt auf E-Power.
Es werde Licht in Maranello…
Das italienische Wort „luce“ steht dabei recht passend für „Licht“. Eben das soll mit dem neuen Stromer in Maranello wohl aufgehen. Dafür hat Ferrari nicht gekleckert, sondern sprichwörtlich geklotzt. Über 60 Patente stecken im Edel-Stromer. Der Antrieb besteht aus gleich vier E-Motoren, einer pro Rad. Das Know-how stammt aus Formel 1 und WEC sowie dem bereits im F80 genutzten Motoren. Die vorderen Motoren liefern 105 kW (und 140 Nm) bzw. zusammen 210 kW. Die hinteren 310 kW (und 355 Nm) bzw. zusammen 620 kW. Zusammen liegen dann 772 kW/1.050 PS an. Sowie 990 Nm maximales Drehmoment.
Damit rennt der viertürige Fünfsitzer in nur 2,5 Sekunden von null auf Tempo 100. Nach 6,8 Sekunden fällt die 200er Marke. Spitze: über 310 km/h. Dank der vier Motoren ist zudem ein unabhängiges Torque Vectoring möglich. Entsprechend sind die einzelnen Räder jeweils einzeln steuerbar, was der Agilität und dem Kurvenspeed zugute kommt. Vorn messen die Räder übrigens 23, hinten 24 Zoll. Davon ab verfügt der Ferrari Luce über Hinterachslenkung.
Ferrari Luce: komplett neue (E)Plattform
Die neue E-Plattform mit 800 Volt ist übrigens eigens von Ferrari entwickelt. Die Batterie (NMC) speichert 122 kW, was der PS-Schmiede zufolge für 530 km reichen soll. Final ist der (WLTP)Wert allerdings noch nicht. Nachladen ist mit bis zu 350 kW möglich. So wäre der Akku in 20 Minuten neu geladen – und zwar komplett. Wechselstrom zieht der erste Ferrari-Stromer mit 22 kW.

Typisch Ferrari verspricht der Power-Stromer auch Fahrdynamik. Dafür hat der Hersteller zum Beispiel den Akku so tief wie möglich platziert. Tatsächlich kommt der Ferrari Luce auf einen 95 mm tieferen Schwerpunkt als der Purosangue. Dazu stehen dem Fahrer verschiedene Fahrmodi zur Option. Im Modus „Range“ bringt es der Stromer zu Beispiel nur auf 320 kW (435 PS). Der Antrieb erfolgt großteils über die Hinterräder, die Spitze ist auf 260 km/h begrenzt. Im Modus „Tour“ steigt die Leistung auf 460 kW (625 PS), dazu kommt permanenter Allrad. Im Modus „Performance“ schnellt die Power schließlich auf bis zu 725 kW (986 PS) hoch, die Top Speed steigt auf 310 km/h. Mit Launch Control liegen dann sogar die kompletten 772 kW an.
Glas House und Infotainment
Die Abmessungen verrät Ferrari übrigens mit 5,03 m Länge bei knapp 2,0 m Breite und 1,54 m Höhe. Der Radstand mit 2,96 m verspricht Platz. Ansonsten wiegt der Stromer leer 2.260 kg. Der Kofferraum schluckt 597 l. Das Design stammt nicht allein von Ferrari, sondern entstand in Kooperation mit LoveFrom. Auffällig ist vor allem das „Glass House“, womit der Hersteller die weit in die Karosserie gezogene Glasfront meint.

Das Interieur dominieren digitale Anzeigen. Gleich vier OLED-Screens in 12,9; 12,0; 10,1 sowie 6,3 Zoll finden sich in Armaturenbrett, Mittelkonsole und Fond. Dazu kommen diverse physische Tasten, Drehregler und Kippschalter. Ein weiterer Clou der Ferrari-Ingenieure ist ein Präzisionssensor, der die Vibrationen des E-Antriebs verstärkt. Wobei der Fahrer auch diesen wieder mit den Fahrmodi (e-Manettino) beeinflussen kann.
Beim Preis zeigt sich wieder der Luxusanspruch der italienischen Marke. Eingepreist ist der Ferrari Luce ab 550.000 Euro.
Bilder: Ferrari