Vor einigen Jahre galt Wasserstoff als einer der Hoffnungsträger für die grüne Mobilität von morgen. Mittlerweile scheint sich der einstige Hype aber verflüchtigt zu haben. Wie also schaut es aktuell aus?
Erst vor wenigen Wochen ließ Stellantis eine Wasserstoffbombe platzen. Mangels Perspektiven verabschiedete sich der Konzern aus der Entwicklung. Die geplanten H2-Modelle von Citroen Jumpy, Opel Vivaro und Movano oder Fiat Scudo und Ducato sind damit begraben. Dabei sollten die in diesem Sommer in Produktion gehen. Doch weil Stellantis-CEO Jean-Philippe Imparato zufolge der Markt eine Nische bleibe, fehle diesem die wirtschaftliche Nachhaltigkeit. Von Mercedes, Honda und General Motors hört man zum Thema schon lange nichts mehr.
Wasserstoffstromer kaum auf dem Markt
Anders bei BMW. Die Münchner versprechen für 2028 den Serienstart ihrer neuen dritten Brennstoffzellengeneration in ihrem Motorenwerk Steyr (Österreich). Welches Modell diese bekommt, ist allerdings offen. Als Versuchsträger nutze BMW zuletzt den iX5 Hydrogen (Bild). Wobei die Bayern eventuell gar nicht auf den Privatsektor zielen und stattdessen den Schwerlastverkehr ins Visier nehmen. Erst im Februar startete der Autobauer einen Test mit Wasserstoff-Lkws.
Fakt ist: Die Übersicht an entsprechenden Modellen ist sehr mager. Aktuell gibt es gerade mal zwei. Den Hyundai Nexo II sowie den Toyota Mirai. Der erste ist noch nicht bestellbar, Marktstart sollte irgendwann in 2025 sein. Der zweite ist ab 68.490 Euro verfügbar. Nicht wenig Geld für einen Brennstoffzellen-Stromer.
Zumal es nach wie vor an der nötigen Infrastruktur hapert. Gerade mal 110 Wasserstofftankstellen gibt es laut Neuman & Esser in Deutschland. Im Vergleich dazu ist das Tanken von Benzin und Diesel an derzeit 14.000 (!) Tankstellen möglich. Ob sich der Ausbau der Wasserstofftankstellen lohnt, ist angesichts der nur zwei H2-Stromer eigentlich keine Frage. Die Konkurrenz mit Batterie ist günstiger.
Wasserstofftankstellen sind nicht billig
Zumal auch die Tankstellen nicht gerade preiswert zu bauen sind. Eben wegen des Wasserstoffs. Dieser muss zur Betankung ins Fahrzeug unter Druck stehen sowie auf -40 Grad gekühlt sein. Das macht die Prozedur aufwändig – und damit teuer. Denn neben dem eigentlichen Speicher (Tank) braucht es einen Kompressor und eine Kühleinheit. Im Fazit dauert daher allein die Planung und der Bau einer Wasserstofftankstelle zwei bis drei Jahre.
Der Wasserstoff selbst ist ebenfalls nur aufwändig herzustellen und zu transportieren. Die Krux: Bis auf ein Verfahren – und zwar mit Ökostrom – ist keines sauber. Also nicht CO2-neutral. Das trifft allein auf den sogenannten grünen Wasserstoff zu, der jedoch der teuerste ist. Apropos: Aktuell liegt der Preis für Wasserstoff – je nach Herstellungsverfahren und Tankstelle – bei 15 bis 19 Euro/kg. Daher sind Benziner, Diesel und Elektroautos günstiger im Betrieb. Deutlich günstiger.
Wie schaut die Zukunft von Wasserstoff aus?
Im Fazit ist die H2-Zukunft alles andere als rosig. Die Herstellung ist ineffizient, die Speicherung schwierig und somit teuer. Gleiches gilt für den Transport. Davon ab fehlt die nötige Infrastruktur. Zuletzt spielt der zu hohe Preis eine (große) Rolle. Ist Wasserstoff also nicht sinnvoll? Doch: In gewissen Industrien – Stahl, Chemie, Schifffahrt – wäre H2 sogar extrem sinnvoll. Also da, wo Batterien nicht praktikabel sind. Im Auto allerdings ist die Batterie effizienter und günstiger.
Bild: BMW