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Daimler: 14 Fragen & Fakten zum Einstieg von Geely

Es war ein Schlag mit dem (Gummi)Hammer: Plötzlich sind bei Daimler die Chinesen im Boot. Selbst die Schwaben sind überrascht. Die Aktie sackte prompt ab, viele Fragen stehen im Raum. Green-Motors.DE nennt Fakten.

Daimler: Einstieg von Li Shufu und Geely

Überraschung auf chinesisch: Li Shufu kauft sich bei Daimler ein und steigt somit über Nacht zum größten Anteilseigner der Schwaben auf. Prompt ging die Aktie der Stuttgarter in die Knie. Am Montag verlor das Wertpapier bis zu einem Prozent. Zugegeben: Bis Börsenschluss lag die Daimler-Aktie nur noch 0,3 % im Minus. Die anderen deutschen Autobauer jedoch im Plus. VW machte am Montag 2,1 % gut, BMW 0,8 %. Doch haben die Börsianer wohl weniger Angst vor einer Übernahme - als vor keiner Übernahme. Wobei derzeit noch nicht klar ist, was nun mit Daimler passiert. Beziehungsweise, was Geely konkret mit Daimler vorhat. Green-Motors.DE hat daher 14 Fragen zum Geely-Einstieg bei Daimler recherchiert.

  1. Wer ist Geely überhaupt?
  2. Wird Daimler nun chinesisch?
  3. Wer ist Investor Li Shufu?
  4. Hat der Einstieg Daimler überrascht?
  5. Wie verlief der Einstieg genau?
  6. Was sagt die Bundesregierung?
  7. Welche Banken sind beteiligt?
  8. Was will Li Shufu von Daimler?
  9. Baut Daimler jetzt Elektroautos?
  10. Gibt es einen Technologie-Transfer?
  11. Will Daimler Li Shufu und Geely?
  12. Was kann Daimler gewinnen?
  13. Hat Daimler nicht schon Partner in China?
  14. Will Shufu weitere Anteile kaufen?

Wer ist Geely überhaupt?

Die wichtigste aller Fragen: Wer ist Geely? Antwort: der größte private Autobauer Chinas. Zumindest laut eigener Aussage. Außerdem preist sich Geely als einen der größten Anbieter von Elektroautos. Weltweit. Zahlen können die Chinesen durchaus vorweisen. 2017 betrug der Umsatz 43 Milliarden Dollar, 1,24 Millionen Autos rollten aus dem Werk.

Wird Daimler nun also chinesisch?
Wohl kaum. Geely geht es eher um Kooperation. Eine feindliche Übernahme dürfte nicht im Raum stehen. Zumal nicht Geely Automobile die Anteile erwarb, sondern Li Shufus Investmentfirma Zhejiang Geely Holding Group. Über diese kaufte Shufu für rund 7,5 Milliarden Euro 9,69 Prozent der Anteile. Oder konkret 103.619.340 Daimler-Aktien. Damit gilt Shufu ab sofort als größter Eigner der Schwaben. Weitere Teilhaber mit großen Aktienpaketen sind das Emirat Kuwait (6,8 %) sowie Renault Nissan (3,1 %).

Und wer ist nun dieser Li Shufu?
Li Shufu ist quasi der chinesische Elon Musk. Geboren als 1963 als Sohn eines Reisbauern ist der Selfmademan heute geschätzte 17 Milliarden Euro schwer. 1986 gründete Shufu zusammen mit Freunden Geely. Anfangs baute man Teile für Kühlschränke her. Nach und nach wurde daraus ein Autobauer. Die Lizenz bekam Geely 1998. Zuvor produzierte Geely bereits Motorräder. Das erste Auto, der Geely HQ (Hoaqing), sah übrigens einem Mercedes relativ ähnlich. Prompt hatte Geely eine Klage am Hals - von Daimler. Trotzdem baute Shufu die Geely Group stetig aus. Heute gehören zur Gruppe

  • die Geely Automobile Holdings (46 %),
  • Volvo Cars (100 %)
  • Lotus Cars (51 %)
  • Proton Cars (49,9 %)
  • London EV Company (100 %)

Zuletzt kaufte sich Geely/Shufu auch beim separaten Lkw-Bauer AB Volvo ein. Außerdem betreibt Geely mit Cao Cao einen der größten Carsharing-Dienste in China - mit rund 16.000 Elektroautos. Shufu selbst ist Vorstandsvorsitzender von Geely sowie Vorsitzender des Verwaltungsrats von Volvo Cars.

Hat der Einstieg Daimler wirklich kalt erwischt?

Jein. Der Vorstand wusste seit langem von Shufus Interesse. Zumal die wirtschaftliche „Shoppingtour“ der Chinesen bei großen Konzernen nicht neu ist. Egal ob in Deutschland oder anderen Teilen der Erde. Allerdings ging Daimler nur von fünf bis sechs Prozent aus, die Shufu erwerben will. Mit fast zehn Prozent hat dagegen keiner gerechnet. Wobei Shufu hier legal trickste.

Wie lief der Einstieg von Shufu denn ab?
Der Einstieg von Shufu bei Daimler wurde quasi in zwei Schritten getätigt. Den Vorgang nennen Experten Derivategeschäft. Hierbei erfolgt der Kauf von Anteilen nicht allein über Aktien. Sondern geteilt über Aktien und Optionen (Termingeschäfte). Mit solchen Optionen erwirbt der Käufer keine direkten Anteile, sondern nur das Recht, diese irgendwann zu kaufen. Allerdings zu einem fixen Preis. So „gemischt“ ist ein Einstieg bei einem Unternehmen erst ab fünf Prozent meldepflichtig. Im zweiten Schritt baute Geely seine Anteile dann quasi über Nacht auf knapp 9,7 Prozent aus. Wobei Geely hier wohl nicht allein auf Eigenkapital, sondern auf das Geld von Banken setzte. Gut erklärt ist der Geely-Einstieg übrigens auf handelsblatt.com (Link unten, Derivate).

Deutschland nimmt den Einstieg der Chinesen hin?
Jein. Der Einstieg der Chinesen rief prompt die BaFin (Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht) auf den Plan. Aber: Die Prüfung der Bonner Behörde ist vorerst reine Routine. Diese ist üblich, wenn ein Investor einen gewissen Prozentsatz an Anteilen (bei Aktien 3 %) übernimmt. Dann muss dieser Investor seinen Einstieg innerhalb von vier Tagen dem Unternehmen sowie der BaFin melden. Die BaFin selbst schaut nun erst einmal, ob der Einstieg rechtens ist. Also ob sich der Investor an die Regeln gehalten hat. Aber auch, welche Banken involviert sind und vor allem deren Rolle bei der Übernahme. Ebenfalls interessant für die BaFin ist, wie der Einstieg erfolgte. Stichwort Derivate. Auch das Bundeswirtschaftsministerium will sich den Einstieg genauer anschauen.

Welche Banken sind denn beteiligt?

Angeblich die Bank of America Merrill Lynch sowie Morgan Stanley, beide aus New York. Offiziell ist das aber nicht. Von den Banken gibt es bisher keinen Kommentar.

Was will Li Shufu von Daimler?
Unklar. Daher der (kleine) Kursrutsch der Daimler-Aktie. Börsianer haben vor allem zwei Fragen. Erstens: Welche Strategie verfolgt Li Shufu mit seinem Einstieg bei Daimler? Zweitens: Will Li Shufu in den Aufsichtsrat von Daimler? Ersten Infos zufolge plant Shufu wohl eine Art Allianz mit den Schwaben. In deren Fokus: Elektroautos sowie autonome Fahrzeuge. Das käme Daimler sogar zugute. Kosten in Entwicklung, Einkauf und Produktion könnten so gedämmt, Gewinnmargen wiederum erhöht werden. Zumal eine solche Allianz nichts Neues aus, Stichwort Renault Nissan. Bei der Daimler übrigens mittlerweile im Boot ist.

Baut Daimler also nur noch Elektroautos?
Langfristig sicher - wie alle Autobauer. Kurzfristig dürfte sich aber kaum etwas ändern. Der Einstieg von Geely ändert an der Daimler-Strategie daher nicht wirklich viel. Schon gar nicht über Nacht. Zumal Shufu absolut nichts von Daimler erzwingen kann. Weder eine Kooperation noch Einblick in Technologien noch sonst etwas. Daimler jedenfalls plant bereits selbst mit Elektroautos. 2019 startet der EQC, danach weitere Stromer unter der Submarke EQ. Mit dem GLC F-Cell rollt außerdem ein H2-Stromer auf den Markt.

Gibt es einen Transfer von Technologie?

Möglich, aber eben alles andere als sicher. Wobei Shufu sein Investment sicher nicht allein (oder überhaupt) als reine Geldanlage sieht. Sondern eben als langfristige Teilhabe, die in einer Zusammenarbeit mündet. Für Volvo erwies sich der Einstieg bzw. der Kauf durch Shufu damals sogar als absoluter Glücksfall. Zwar werden viele Volvo-Modelle heute in China produziert, wie auch die künftigen Stromer des Ablegers Polestar. Doch für die marode gewirtschaftete Marke war Shufu Retter in der Not. Zugegeben ist Daimler weder marode noch sonst irgendwie in Not. Doch auch Daimler kann bei einer Kooperation mit Geely viel gewinnen. Allein ein (leichterer) Zugang zum chinesischen Markt ist für die Schwaben bares Geld wert.

Will Daimler denn Shufu und Geely?
Eher nicht. Im Aufsichtsrat wollen die Schwaben den Chinesen laut Gerüchten nicht wirklich haben. Was aber plausibel ist. Da der Rat über künftige Strategien und neue Modelle berät, fürchtet Daimler schlicht die Weitergabe sensibler Daten an Konkurrent Geely. Auf lange Sicht ist Shufu ein Sitz als nun größter Eigner aber wohl kaum zu verwehren.

Was kann Daimler durch Shufu gewinnen?
Einiges. Der Markt in China gilt längst extrem wichtig für jeden Autobauer. Der Verkauf von Fahrzeugen - sprich Mercedes und smart - könnte zum Beispiel über Geely-Händler erfolgen. Was diese übrigens schon seit Jahren mit Autos von Volvo machen. So bräuchte Daimler keine eigene Infrastruktur, würde aber trotzdem Autos verkaufen. Das spart Kosten und erhöht die Gewinne.

Hat Daimler nicht schon einen chinesischen Partner?

Ja. Und zwar die im staatlichen Besitz befindliche Beijing Automotive Industry Holding Company (BAIC). Pikant: BAIC ist ein Konkurrent von Geely. Erst 2013 kaufte sich Daimler bei der Pkw-Sparte BAIC Motor ein. Seither gehören den Schwaben 12 Prozent der Anteile. Eben hier dürfte es auch irgendwann Probleme geben. Die Beziehung zwischen Daimler und BAIC dürfte sich durch den Einstieg von Geely bei Daimler nicht gerade verbessern. Konflikte sind quasi programmiert. Trotzdem gab Daimler gerade bekannt, zusammen mit BAIC in das Joint Venture BBAC (Beijing Benz Automotive) 1,5 Milliarden Euro zu investieren. Zusammen mit BYD betreibt Daimler außerdem die Elektroauto-Marke Denza.

Will Geely/Shufu weitere Anteile kaufen?
Angeblich nicht. Zumindest vorerst. Daher wohl auch der kleine Kursrutsch. Denn Börsianer hofften auf eine Übernahme, der Geely aber prompt widersprach. Wohl auch deshalb, weil der Erwerb weiterer Aktien schnell zum Politikum mutieren könnte. In zwei drei Jahren könnte das aber schon wieder anders ausschauen.

Bild: Daimler - Quellen: handelsblatt.com (Daimler-Aktie), handelsblatt.com (Derivate), electrive.net (Fakten), zeit.de (Bio)


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